il manifesto

Wisst ihr, was ihr letzten Sommer getan habt? Wir waren in einem Landschafts-Gemälde. Mitten drin kochten, redeten, aßen wir, tranken Wein, und Kinder liefen darin umher… Der Geruch einer wunderbaren Welt stieg uns durch das geöffnete Küchenfenster in die Nasen. Die Welt der Küchenkräuter. So kam es, dass sich in einer 240 Meter über dem Mittelmeer gelegenen Küche im ligurischen Bergstädtchen Cipressa, unweit der italienischen Hafenstadt Genova, jeden Tag das gleiche zusammenbraute… Langweilig? Nein, das war es nicht. Es war Pesto alla genovese! Es gibt jene, die meinen es handele sich um eine Allerwelts-Sauce. Dabei ist es die einzige Sauce, die aus nichts weiter besteht als Licht, Luft und Duft. Ok – kurz auf Anfang gestellt – blicken wir mal zurück! Wir sehen einen Urlaub. Und wir sehen einen Selbstversuch. Denn Lichtnahrung halten wir nun für ein glaubwürdiges Konzept. Weniger eine Illusion, als viel mehr ein reales Produkt der italienischen Küche… zumindest jener, in der wir kochten!

Die italienische Küche hat die Sonne auf ihrer Seite. Die macht sie leicht, sendet ihr High-light, das native Olivenöl extra. Das schwebt schwerelos und glänzt nie hüft-golden. Es hält im Pesto den Duft der Landschaft fest. Seit Jahrhunderten ist die Sonne der Reichtum der ligurischen Täler. Der schmale Küstenstreifen mit seinem gebirgigen Hinterland bietet nur wenig Raum für Landwirtschaft. Doch wurde die Region mit einem Klima beschenkt, das Mensch und Botanik motiviert ihr Potential voll auszuschöpfen. Trockenmauern und Terrassen sind von Menschenhand errichtet, dass Gemüse, Früchte und Oliven ihren intensivsten Geschmack entfalten mögen. Und das Ende dieses Urlaubs-Tages brachte ein befriedigendes Ergebnis: Kichererbsen-Pfannkuchen mit geriebener Zucchini sind absolut licht- und luftdurchlässige Geschmacks-Träger!

Jeden Tag Insalata. Jeden Tag Pesto. Nie der gleiche Geschmack. Beim Einkauf im Alimentari, dem kleinem Lebensmittelgeschäft im Zentrum von Cipressa, erzählt die Ladenbesitzerin uns täglich, was die Bauern ihr morgens zum Verkauf gebracht haben. Nie hätten wir gewagt, nach anderen Produkten zu greifen. Ein echt nachhaltiges Lehrstück in Regional ist 1. Wahl. Erzeugnisse aus benachbarten (italienischen!) Provinzen wurden schon als Import deklariert. Das ist der tiefe Stolz auf die eigene Küche: kein aufgesagter, ein verinnerlichter und natürlicher Stolz, der zur kulinarischen Tradition gehört. „Kein anderes europäisches Land hat so viele Lebensmittel mit geschützter und garantierter Herkunftsbezeichnung wie Italien – vom Apfel bis zur Zwiebel, vom Olivenöl über den Wein bis zu Brot, Käse und Schinken. Essen ist hier Kulturgut. (…) Die persönliche Beziehung zwischen Produzent und Konsument ist im agrarisch geprägten Italien tief in der Lebenskultur verwurzelt“ (in: Zeit-online, Bio trägt auch zum gesellschaftlichen Wandel bei: März 2012).

Ausflugs-Tip: Hier überfallen einen spontane Aussteiger-Fantasien: im pitoresken Selbstversorger-Dorf Torri Superiore nahe der französischen Grenze. Schön, dass es so etwas gibt!

Trofie ist die Pastaspezialität der ligurischen Küche und ganz einfach die passende Nudel zu unserem Projekt. Sich eine Zucchiniblüte darauf zu backen, ist an der Blumenreviera mehr Pflicht, denn Kür! Es werde Licht, und es wurde Italien. In diesem Sinne viele Urlaubs-Grüße, B

P.S.: Danke an unsere Freunde, die jeden Abend kochten, während Knut fotografierte und ich quatschte :-)

 

 ©Fotos: Knut Koops für APRIL/mag

3 Kommentare

Kommentare

  1. amélie sagt:

    es sieht alles so lecker aus!!! ich möchte das sofort kochen!!!!

  2. strandperle sagt:

    dieses jahr leider kein italienurlaub…ach wehmut! …tröste mich jetzt gleich mit italiener um die ecke – aalso einem leckeren gericht von seiner speisekarte!

  3. Katja sagt:

    Was für Köstlichkeiten!

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