Weltsicht

Der Kunstherbst hat begonnen: Vernissagen und die Berlin Art Week laden ein. Mitten drin und doch wie abseits vom Trubel kann man die Werke von Nanne Meyer erkunden – Freiflug für die Augen. Der Blick gleitet über das Papier, verfolgt die Linienführung, versucht das Einzelne im großen Ganzen zu erfassen. Nichts als Striche, die sich zu Landstrichen, zur Weltsicht zusammentun. Für das Auge beginnt die Reise Irgendwo und endet irgendwann auch dort. Für den Stift beginnt die Reise oben Links auf dem Papier, verrät die Künstlerin. Dort ist für sie der Beginn von etwas, von dem sie selber nicht weiß, wo es sie hinführt. „Zum zeichnen braucht es nichts als ein Blatt Papier, einen Stift und Energie „ sagt Nanne Meyer. Da war die Flugangst, die bezwungen werden sollte  – mit Fensterplatz, Skizzenblock und Bleistift gelang es Nanne Meyer. Denn es liegt in der Furcht die Faszination und es liegt an Kleinigkeiten was überwiegt. „Kennen Sie den Moment, wenn das Flugzeug den Winkel verändert, besonders im Landeanflug tut es das. Man meint, die Welt wird zusammengeklappt. Wie die Welt aussieht ist eine Frage der Perspektive und in welchem Blickwinkel ich mich zu ihr befinde.“

Die Galerie Jordan/Seydoux präsentiert mit der Ausstellung Kartographische Gleitflüge die Zyklen: Windstriche, Nachtflug und Perspektive – „Ich möchte aber nicht die Welt kartographieren, sondern ich versuche mein Verhältnis zum Dasein zu formulieren“ hat Nanne Meyer einmal gesagt. Der 4. Zyklus Kartographische Geister zeigt die in alten Landkarten ruhenden Gesichter und Gestalten. Nanne Meyer und der Stift erwecken sie zu Leben, mehr als einen Stift braucht es nicht, um sie sichtbar zu machen. „Sie sind ja alle schon da. Ich muss ihnen nur helfen, hervor zu kommen…“

4 Zyklen und kleinformatige Collagen zu sehen bis zum 20. Oktober /// Augustrstaße 22 /// 10117 Berlin /// Di – Sa 12 -18 Uhr

Die 1953 in Hamburg geborene Künstlerin lebt seit vielen Jahren in Berlin, seit den frühen Achtzigern prägt sie das Medium Zeichnung nachhaltig. Seit 1994 lehrt Nanne Meyer als Professorin an der Kunsthochschule Berlin Weißensee.


©Fotos: Knut Koops für APRIL/mag

2 Kommentare

Kommentare

  1. nordlicht sagt:

    …ein paar Striche: Einfach schön!

  2. Strandperle sagt:

    Ich finde es prima, das APRIL die Berliner Art Week aufgreift, um zwei so unterschiedliche und bemerkenswerte Künstler vorzustellen: Ein Besuch der Galerie Jordan/Seydoux ist für den nächsten Berlin-Trip schon eingeplant!

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