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Schneebälle machen! Moyoh-Workshop # 2

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Maja vom Berliner Kinderlabel Moyoh beschert uns mit ihrem zweiten Workshop (1st Workshop here) weiße Weihnacht. Sie hat Schneebälle erfunden, die nicht schmelzen. Und nicht weh tun. Auch der Traum von einer weißen Weihnacht erfüllt sich selbstredend nur durch das eigene Hinzutun. Und so wünschen wir uns allen nichts weiter als Fröhliches Filzen.

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H O W  T O  M A K E  A  W H I T E  C H R I S T M A S

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Das Wichtigste Utensil: weiße Wolle! In diesem Fall von glücklichen neuseeländischen Schafen

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1. Von der Wolle  kleine Flocken abzupfen und sich bereitlegen

2. Zusätzlich Wolle in Streifen zurecht zupfen und sich bereitlegen (in beiden Fällen bestimmt die Menge der Wolle, die Größe des Schneeballs)

3. Eine Schüssel warmes Wasser bereitstellen und Oliven-Seife hineinraspeln

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 1. Mit den Wollstreifen beginnen eine Kugel zu wickeln, bis man die Größe erreicht hat, die man sich für seinen Schneeball vorstellt (auch hier gilt, dass beim Filzen die Wolle schrumpft und die Kugel am Ende kleiner sein wird, als zu Beginn des Filzvorgangs)

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Schneeball mit Geräusch

Als Variante kann man in den Schneeball Geräusche einarbeiten & das geht so: Aus dem Inneren eines Überraschungseis das gelbe vom Ei mit kleinen Steinchen befüllen und dann das Überraschungsei mit weißer Wolle umwickeln. Dieser Schneeball-Plus ist ein wunderbares Babyspielzeug, aber auch einfach eine schöne Überraschung!

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1. Ein Handtuch auf der Arbeitsfläche ausbreiten und mit dem Seifenwasser befeuchten

2. Die Filzkugel, die aus den gewickelten Wollstreifen entstanden ist und die gewünschte Größe hat, in die Wasserschüssel eintauchen und mit dem Seifenwasser durchtränken

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1. Nun nimmt man sich die vorbereiteten Wollflocken zur Hand. Die Wollflocken werden nacheinander sensibel rund um die Kugel mit dem Seifenwasser und je nach Gefühl mit Extra-Seifenraspel angeklebt und glatt gestrichen. Dabei unbedingt darauf achten, dass eine gleichmäßige Oberfläche ohne Falten entsteht und die Wickelspuren der Wollstreifen darunter verschwinden. 

2. Nun kann damit begonnen werden, die nasse Wollkugel vorsichtig in den Händen zu formen, damit sich die Fasern verdichten. Beim Filzen ist es am Wichtigsten, immer mit sehr sanften Bewegungen zu beginnen. Wird zu kräftig geknetet, entsteht keine glatte Oberfläche, sondern die Fasern werden wellig und faltig. Damit sich die Fasern nicht verschieben, beginnt man sie sanft glatt zu streichen und nur mit sanftem Druck zu bearbeiten. 

filzen1. Wie im vorherigen Schritt die Kugel erneut sehr sanft zwischen den Händen formen, damit eine gleichmäßig verwobene Oberfläche entsteht. Nach einiger Zeit verdichtet sich die obere Wollschicht der der Kugel und man kann damit beginnen, kräftiger zu kneten und zu rollen, damit sich auch die unteren Wollschichten stabil verfilzen. Auf diese Weise die Kugel eine geraume Zeit (10 – 15 Min) bearbeiten. Um so länger man das Kneten der Kugel vornimmt, umso robuster verfilzt sich die Wollfaser. Während des Knetvorgangs gibt die Kugel Wasser ab. Daher immer wieder neu befeuchten und zusätzlich ein wenig Seifenflocken über die Kugel raspeln.

Maja sagt: “Filzen hat viel mit Gefühl zu tun. Die Kugel sollte immer schön geschmeidig durch die Hände gleiten”

2. Der Filzvorgang besteht im Wesentlichen in der Wiederholung und hat daher etwas meditatives. Die Kugel so lange zwischen den Händen rollen und kneten, wie es einem gefällt und bis man das Gefühl hat, die Fasern weisen eine gewisse Stabilität auf. Dann kann man  – wenn man Lust hat – auch dazu übergehen, die Kugel auf dem Handtuch zu rollen.

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1. Haben sich die Fasern zu einer stabilen glatten Oberfläche verwoben und fühlt sich die Kugel fest an, ist der Filzvorgang abgeschlossen.

2. Die Filzkugel unter fließend klarem Wasser ausspülen, bis sie von den Seifenrückständen befreit ist.

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1. Eine Schüssel mit klarem Wasser befüllen und 1 EL Essig hineinrühren und die Filzkugel im Essigwasser spülen. Die Essigsäure neutralisiert letzte Seifenreste. Dann die Kugel noch ein mal unter klarem Wasser ausspülen und sehr vorsichtig auswringen

2. Die Kugel wieder in Form rollen und an einem warmen Ort trocknen lassen

3. Mit der Nadel einen Faden an der Kugel befestigen und das Band mit einem Knoten zur Schlaufe verschliessen

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F E R T I G  I S T  D E R  S C H N E E B A L L

D E K O R A T I O N
G E S C H E N K A N H Ä N G E R 
S P I E L Z E U G

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A L L  Y O U  N E E D

I S

Wolle, Wasser, Seife, Nadel & Faden

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moyohSich einfach mal in ein Herz filzen

Eine Weihnachts-Aktion von

  Moyoh & APRIL/mag

 

© Fotos: Knut Koops für APRIL/mag

 

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WORKSHOP: Filzen mit Maja von Moyoh

 

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In diesem Video-Workshop zeigen wir in Kooperation mit www.moyoh.de in zwei Minuten das Wesentliche am Filzen: aus Wolle, Wasser, Seife kann man unter seinen Händen Dinge entstehen lassen. Als Einstieg haben wir mal ein Seil gewählt. Einfach weil es schön ist. Und einfach.

Anleitung „Seil filzen“ in Worten siehe unten*

Dank an Lars Otto.

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© Fotos: Knut Koops für APRIL/mag

Dinge mit den Händen herstellen – für Maja Hommel ist das ein Grundbedürfnis. Damit ist die Gründungsgeschichte ihres Berliner Labels Moyoh, unter dem sie seit 2007 handgemachte Kindersachen fertigt, auch schon im Wesentlichem erzählt. Als die Architektin nach der Geburt ihrer beiden Töchter auf der Suche nach ihrer eigentlichen Berufung war, waren die Moyoh-Puppen das natürliche Ergebnis dieser Suche. Aus der tiefen Einsicht, nicht alles kaufen zu müssen, was man zum Leben braucht, begann sie Sachen für ihre Kinder selber anzufertigen: „Ich bin in der DDR aufgewachsen“ erzählt Maja „und da war es Alltag aus Wenig etwas zu machen“.

Auch an ihrem Haus hat das Architektenpaar an vielen Stellen selbst Hand angelegt und bei der Inneneinrichtung schon vorhandenes Material wiederverwertet. „Ich kann nichts wegschmeissen“ sagt Maja von sich selbst „Ich interpretiere in alles noch eine klare Einsatzbereitschaft“ lacht sie. Zum Geburtstag ihrer Tochter fertigte Maja ihre erste Puppe. Aus dem Freundes- und Bekanntenkreis kamen prompt die Nachfragen und als der Kreis sich ausweitete wurde aus der Leidenschaft Beruf. Seit dem gehen die unterschiedlichsten Puppen-Charaktere aus ihren Händen hervor.

Zwei Seiten hat das von-Hand-Fertigen für Maja: „Die eine Seite ist es, unseren Kindern etwas zu schenken, das mit Liebe entstanden ist. Und die andere Seite ist es, dass das Fertigen selbst ein Bedürfnis ist. Dabei fliesst eine Menge positiver Energie in das, was hergestellt wird. Es ist wie beim Kochen!“ sagt Maja „Wenn man selber kocht, tut man es einerseits, um sicher zu gehen, dass die Zutaten unbedenklich sind und man selbst und seine Kinder sich gesund ernähren. Andererseits fliesst mit der Zubereitung ja auch viel Liebe in das Gericht mit ein – und die schmeckt man!“ 

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* Anleitung „Seil filzen“ in Worten

(Dauer ca. 30 Minuten plus Waschmaschinen-Zeit)

man braucht: 100 g Filzwolle, ein wenig Seife, ein Handtuch als Unterlage, warmes Wasser, später 1 EL Essig

TIP: Maja bezieht ihre Filz-Zutaten über www.wollknoll.de. Hier gibt es Schafschurwolle vom Band, die sie auch im Film verwendet und die Olivenseife

1. Etwas Seife raspeln und in einer Schüssel mit warmen Wasser vermischen

2. Handtuch als Arbeits-Unterlage ausbreiten und mit der Seifenlauge befeuchten

3. Die benötigte Menge Wolle vom Knäuel ablösen (wenn die Fasern schon in der richtigen Stärke liegen, 5 Meter ausmessen. Das Seil schrumpft im Walk-Vorgang auf fast die Hälfte zusammen! Wenn das Wollknäuel dünner/dicker aufgewickelt ist, enstprechen die 5 Meter ca. 100 g)

4. Wenig Seifenwasser über das erste Ende der Wolle geben und zusätzlich Seife sehr sparsam über die Wolle raspeln. Dann sehr soft damit beginnen, die Wolle zu rollen. Beginnt man zu stark, entstehen Falten. ACHTUNG: Wasser und Seife nur sparsam einsetzen, weil sich zu nasse & seifige Wolle nicht gut rollen lässt!

5. Die 5 Meter Wolle mind. in drei Durchgängen rollen: soft, stärker, noch stärker – damit die Fasern sich verdichten

6. Die Wollfaser in Querrichtung bearbeiten, damit die Faser sich in jede Richtung verfilzt! Das geht wie im Video gezeigt, in dem man die Filz-Schlange im Handtuch zusammenlegt und das Ganze gegen die vorherige Richtung rollt – und zwar 3- 4 mal, damit man ein festes Seil erhält. Man kann die Filzschlange auch einfach in der Hand zu einem Ball knüllen und auf diese Weise ein paar Minuten kneten. Diesen Vorgang mit dem „Rollen“ der Woll-Schlange wie unter Punkt 5. beschrieben abwechseln. Um so häufiger man die Punkte 5. / 6. durchführt, desto stabiler wird das Seil. Bei Bedarf kann man zwischendurch immer mal wieder sparsam Wasser & Seife hinzufügen

7. Jetzt die gewalkte Wolle unter fliessend klarem Wasser ausspülen. Dann die Woll-Schlange entweder in einer Schüssel Wasser mit 1 EL Essig auswaschen (die Essigsäure neutralisiert die Seifenreste) – und danach noch einmal den Essig unter klarem Wasser auswaschen. O D E R man kann alternativ dazu die Wollschlange bei 60° C mit 1 EL Essig im Spülfach in die Waschmaschine geben. Das Waschen bei 60°C in der Waschmaschine hat den Vorteil, dass man ein stark verfilztes Gewebe erhält und im Ergebnis ein sehr festes Seil, das zum Klettern taugt (wer die Waschzeit manuell einstellen kann: es reichen 30 – 45 Minuten aus; ansonsten das Programm einfach durchlaufen lassen)

8. Nach dem Wasch-& Spülvorgang – ob per Hand oder per Maschine – das Seil kräftig in Form ziehen.

9. trocknen lassen///fertig!

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es fliegt was in der Luft

Der Tempelhofer Flughafen ist still gelegt. Stimmt schon. Was aber nicht heißt, dass man hier nix fliegen lassen kann. Unseren wochenendlichen Ausflugsdrang haben wir diesmal im Stadtgebiet ausgelebt. Mit Samenbomben präperiert haben wir somit unseren Teil zur Tempelhofer Freiheit beigetragen. Und bei den Gemeinschäftsgärten des Allmende-Kontors hat es dann boom gemacht!!!*

* eine tolle Fotostrecke der Tempelhoferf Gärten vom letzten Sommer von Michael Jungblut / der Artikel dazu im SZ-Magazin hier

Unsere akribische Vorbereitung auf die Aktion bürgerschaftliches Engagement für Anfänger: man benötigt nur einen Klumpen Ton und eine bunte Samenmischung. Der Rest erklärt sich von selbst. Weltverbessern kann wirklich so leicht sein!

;-) Bodil

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Quality time

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SÜPER – das sind Dinge, die nicht zum Wegwerfen erschaffen wurden. Weil sie aus Kulturen stammen, in denen sie quasi-schon-immer den Alltag komplettiert und verschönert haben. Weil sie vielleicht ganz in unserer Nähe stärker aus Überzeugung, denn aus Rentabilität hergestellt werden. Oder weil ihre Ursprungsidee weit in die Vergangenheit zurückreicht, aber keine bessere je hinzugekommen ist: „Einige Dinge haben sich über Generationen bewährt – die kann man scheinbar nicht besser machen“ kommentiert Elisabeth Schotte ihr sorgsames Zusammenfalten einer irischen Hanly-Wolldecke. Sie und Vanessa Marangoni betreiben den SÜPER-Store in Berlin und ziehen gemeinsam einen roten Faden durch das Sortiment, der so simpel wie diffizil ist: Quality is the key to everything – und so sorgen sie für eine Auswahl, die wirklich „unique“ ist.  Gerade sind sie umgezogen und im neuen Laden nimmt ein fliegender Teppich die Mitte des Raumes ein. Die beiden Designerinnen haben ihren Entwurf dazu mit einem ortsansässigem Schmied umgesetzt. Janz famos würde ein Ur-Berliner-Kommentar aus dem Off dazu lauten – rein schätzungsweise! Oder wie würdet Ihr es nennen, wenn Doppelwandige Glasschüsseln von Holmegaard neben italienieschen Furlane Hausschuhen auf einen zugeflogen kommen? Guter Geschmack „on the fly“? Auf jeden Fall!

oben: Selbstbausatz eines Kinderstuhles von einem Berliner Tischler angefertigt. Die Idee beruht auf Enzo Mari, weil jeder ein Designer ist, der sich ein Möbelstück selber baut. /// unten: Feinster Monkey 47 Dry Gin aus dem Schwarzwald.

 


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Minimale Routenänderung: Süper liegt jetzt in der Dieffenbachstrasse 12. Und hier geht’s lang zur Quality time: vorbei an Geldbörsen einer Berliner Ledermanufaktur neben feinstem Schweitzer Obstbrand, weiter zu den Türkischen OYA-Schmucktüchern und filigranen Papierlampen von Le Klint, die noch in Dänemark von Hand gefaltet werden (hier). Noch was vergessen? Ja sicher, eine Menge  – und deshalb ist selber entdecken noch die beste Strategie!

Dank an Vanessa und Lisa.

©Fotos: Knut Koops für APRIL/mag

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sunny side up

Januartage sind wahrhaftig nicht das Gelbe vom Ei. Aber wir haben die Antwort auf den endlos-Januar gefunden. Sie heißt Korean Cuisine. In den hell leuchtenden Räumen des YamYam haben wir Kurzweiligkeit serviert bekommen. Und Bibimbab. So ging die Sonne auf. Sunnysideup und darunter spicy Gemüse auf Reis. Manchmal braucht es nur ein Spiegelei für einen hellen Moment. In dem ich mich allerdings auch fragte: Wie konnte ich nur KimChi ganz vergessen? Voller Vitamine, probiotisch wegen der Fermentierung und P E N G da sind sie wieder, die erwachten Lebensgeister! Deshalb hier der Wochenend-Aufruf: Macht KimChi – die grauen Tage sind noch nicht vorbei!

Hello Korean Cuisine, danke YAMYAM!  Alte Schönhauser Str. 6 /// 10119 Berlin

©Fotos: Knut Koops für APRIL/mag

 

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ting

Die Bilder bleiben ohne Worte. OK nicht ganz: Es gibt einfach Leute mit einem außergewöhnlichen Geschmack. Und es macht so eine Freude, wenn die ihren Sinn für Schönes auch noch teilen. Laura teilt mit ting.

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Aus wenig viel gemacht: 1 Vintage-Buch (das Laura vor dem Zerschnippeln mit ihrem Freund Chris noch durchgearbeitet hat. Jetzt sind beide top informiert über das dänische Königshaus um 1879), Packpapier plus Schere + Tacker. Und dazu nehme man folgende Zutaten aus der ting-Papeterie: Masking Tape, Geschenkpapier und klassisches Garn.

♦ Winter-Anhänger: Vintage-Buchpapier (fester als Zeitung) oder Packpapier t.w. mit Masking Tape bekleben. Je 2 Papierstreifen in 2 unterschiedlichen Längen ( ca. 2 cm Unterschied ) zurecht schneiden und einen wesentlich Kürzeren als Mittelstreifen anpassen. Alles in Form beulen und an einem Ende zusammentackern. Am anderen Ende das Garn als Schlaufe dazwischen legen und wieder tackern. f e r t i g

♦ Lauras Stern:  We  ♥  youtube  (hier)

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♦ oben: das magnetischste Schaufenster der Stadt.

♦ mitte: kalte Hände sind nicht schön, varma-Handschuhe sind schön.

♦ unten: Es sollen ja in Schokolade so Botenstoffe enthalten sein, die dem Hirn sagen, dass es jetzt mal eine Portion Glückshormone ausschüttet: ting enthält diese Botenstoffe nachgewiesener Maßen. Das bestätigen unabhängige Untersuchungen an verschiedenen Testpersonen.

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Lauras Inspirationsquellen liegen geographisch weit auseinander. Persönlich aber sehr nah beieinander: Asien und Skandinavien. Asien hat Laura mit ihrem Freund Chris ausgiebig bereist (mit einer Menge Mitbringsel im Gepäck). Und bevor die Beiden ihre Zelte in Berlin aufschlugen, haben sie in China gelebt. Für Familienbesuche verschlägt es sie häufig in Chris‘ Heimat Dänemark. Auf der Suche nach schönen Dingen touren sie für ting durch beide Erdteile und stöbern Schönes jenseits der Katalogwelt auf. Laura mixt Einzelstücke mit Dingen, die nur in kleiner Stückzahl existieren und solchen größererer Hersteller. Alles ist ausgesucht bei ting. Und das findet man so nicht woanders. Aber hier: in 10405 Berlin /// Rykestr. 41

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 ©Fotos: Knut Koops für APRIL/mag

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Weltsicht

Der Kunstherbst hat begonnen: Vernissagen und die Berlin Art Week laden ein. Mitten drin und doch wie abseits vom Trubel kann man die Werke von Nanne Meyer erkunden – Freiflug für die Augen. Der Blick gleitet über das Papier, verfolgt die Linienführung, versucht das Einzelne im großen Ganzen zu erfassen. Nichts als Striche, die sich zu Landstrichen, zur Weltsicht zusammentun. Für das Auge beginnt die Reise Irgendwo und endet irgendwann auch dort. Für den Stift beginnt die Reise oben Links auf dem Papier, verrät die Künstlerin. Dort ist für sie der Beginn von etwas, von dem sie selber nicht weiß, wo es sie hinführt. „Zum zeichnen braucht es nichts als ein Blatt Papier, einen Stift und Energie „ sagt Nanne Meyer. Da war die Flugangst, die bezwungen werden sollte  – mit Fensterplatz, Skizzenblock und Bleistift gelang es Nanne Meyer. Denn es liegt in der Furcht die Faszination und es liegt an Kleinigkeiten was überwiegt. „Kennen Sie den Moment, wenn das Flugzeug den Winkel verändert, besonders im Landeanflug tut es das. Man meint, die Welt wird zusammengeklappt. Wie die Welt aussieht ist eine Frage der Perspektive und in welchem Blickwinkel ich mich zu ihr befinde.“

Die Galerie Jordan/Seydoux präsentiert mit der Ausstellung Kartographische Gleitflüge die Zyklen: Windstriche, Nachtflug und Perspektive – „Ich möchte aber nicht die Welt kartographieren, sondern ich versuche mein Verhältnis zum Dasein zu formulieren“ hat Nanne Meyer einmal gesagt. Der 4. Zyklus Kartographische Geister zeigt die in alten Landkarten ruhenden Gesichter und Gestalten. Nanne Meyer und der Stift erwecken sie zu Leben, mehr als einen Stift braucht es nicht, um sie sichtbar zu machen. „Sie sind ja alle schon da. Ich muss ihnen nur helfen, hervor zu kommen…“

4 Zyklen und kleinformatige Collagen zu sehen bis zum 20. Oktober /// Augustrstaße 22 /// 10117 Berlin /// Di – Sa 12 -18 Uhr

Die 1953 in Hamburg geborene Künstlerin lebt seit vielen Jahren in Berlin, seit den frühen Achtzigern prägt sie das Medium Zeichnung nachhaltig. Seit 1994 lehrt Nanne Meyer als Professorin an der Kunsthochschule Berlin Weißensee.


©Fotos: Knut Koops für APRIL/mag

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kunstvoll


Ein gutes Werk am Tag? Viele! Begehen und besehen! Und zwar am alljährlichen Galerien-Wochenende in Berlin. Es findet immer Ende April/Anfang Mai statt. Mit dem parallel-Programm der Berlin Biennale (bis zum 1. Juli) wurde die Stadt noch kunstvoller als sowieso schon. Unter dem  Motto „Forget Fear“ wurden die Galerien-Türschwellen mit politisch-aufklärerischen Vokabeln besetzt. Keine Spur von Schwellenangst im Berliner Frühling zu beobachten – nur der Schulterschluss des Kunstvolkes. Und diese Ausstellung, also die des Kunstvolkes meine ich jetzt, gefällt mir immer genauso gut wie der Rest vom Fest.

 

Ein Galerien-Favorit: Jordan-Seydoux in der Auguststraße. Eine charmante Galerie für Zeichnungen und Drucke. Die Pariserin Amélie Seydoux ist von Kindheit an mit dem Thema Kunst und Druck vertraut. Viele französische Künstler waren Auftraggeber ihres Vaters, Eric Seydoux, einem der wenigen Kunstsiebdrucker Frankreichs.

 

Sehenswert: Baselitz. Bei Jordan-Seydoux noch bis 23. Juni.

Eine Kunstpause geht direkt nebenan: Clärchens Ballhaus, Lokalität voll mit Geschichte und mit schönem Garten.

Die in Frankreich bekannte Künstlerin Françoise Pétrovitch wird in Deutschland von Jordan-Seydoux vertreten. Ich mag ihre offenen Motive mit ambivalenten Kindheitsmomenten und die Flüchtigkeit der Szenerie in ihren Tintendrucken.

 

©Fotos: Knut Koops für APRIL/mag

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